In einer Welt, die von geopolitischen Spannungen, digitalen Bedrohungen und wirtschaftlicher Unsicherheit geprägt ist, wird Risikomanagement für B2B-Unternehmen zur strategischen Notwendigkeit. Großhändler und Hersteller erkennen zunehmend, dass Risiken nicht nur externe Störfaktoren sind, sondern auch interne Schwächen offenlegen können. Laut dem aktuellen ECC KÖLN B2BEST Barometer sehen über 90 Prozent der befragten Führungskräfte in Großhandels- und Herstellerunternehmen effektives Risikomanagement als essenziellen Bestandteil für einen langfristigen Unternehmenserfolg an. Doch die Umsetzung hinkt hinterher: Lediglich etwa ein Drittel fühlt sich wirklich gut aufgestellt, wenn es darum geht, Risiken effektiv zu bewältigen. Bürokratische Hürden, Schwierigkeiten bei der Risikoeinschätzung und -bewertung, unklare Zuständigkeiten sowie mangelnde interne Kommunikation bremsen den Fortschritt. Die Erkenntnis ist also da, aber der Weg zur operativen Umsetzung bleibt steinig. Welche weiteren Faktoren erschweren ein effektives Risikomanagement bei Herstellern und Großhändlern? Und wie gestaltet sich die konkrete Umsetzung, insbesondere bei der Identitätsprüfung und Betrugsprävention im digitalen B2B-Geschäft?

Risikomanagement endet nicht an der Unternehmensgrenze – es beginnt oft mit einem Blick auf die Weltpolitik. Internationale Entwicklungen, wie etwa die Wirtschaftspolitik unter der Trump-Regierung, beeinflussen das Handeln deutscher Unternehmen spürbar. Die Sorge vor Handelsbarrieren, Zöllen und instabilen Lieferketten ist groß. Entsprechend haben viele der befragten B2B-Unternehmen bereits Maßnahmen ergriffen: Preisanpassungen (44 %), Diversifizierung der Lieferkette (34 %) und neue Lieferantenstrukturen (30 %) stehen auf der Agenda. Diese proaktive Haltung zeigt, dass Unternehmen gelernt haben, geopolitische Risiken nicht nur zu beobachten, sondern aktiv in ihre Strategien einzubeziehen. Dennoch bleibt die Unsicherheit bestehen. Politische Entscheidungen, die außerhalb der eigenen Kontrolle liegen, machen langfristige Planung schwierig. Umso wichtiger ist es, Risikomanagement als dynamischen Prozess zu verstehen, der sich kontinuierlich an neue Rahmenbedingungen anpassen muss.

Besonders im B2B-Onlinehandel, wo hohe Summen bewegt werden und sensible Daten im Spiel sind, ist die Identitätsprüfung ein zentrales Element der Risikoprävention. 91 Prozent der Großhändler und Hersteller stufen die Identitätsprüfung von (Neu)Kund:innen als ein hochrelevantes Thema ein, auf das sich ihr Unternehmen stärker fokussieren sollten. Dabei stehen sie vor der Herausforderung, neue Kund:innen zuverlässig zu verifizieren, ohne dabei den Onboarding-Prozess unnötig zu verkomplizieren. Doch gerade beim Onboarding von Neukund:innen liegt eine der größten Herausforderungen: 40 Prozent der Unternehmen haben Schwierigkeiten, potenzielle Risiken frühzeitig zu erkennen. Ein weiteres Problem: Mehr als die Hälfte der befragten Unternehmen hat bereits Kund:innen fälschlicherweise als Betrüger eingestuft.

Auch wenn der Einsatz verschiedener Identitätsprüfungen im Jahresvergleich gestiegen ist, sind 72 Prozent der Befragten der Meinung, dass die Frage nach einer verlässlichen Identität und sicheren Kundendaten im B2B-Onlinehandel immer noch nicht nachhaltig gelöst ist. Das zeigt, wie dringend der Bedarf an präziseren, automatisierten und datengestützten Lösungen ist. Künstliche Intelligenz wird zwar als vielversprechendes Werkzeug gesehen, doch gerade kleinere Unternehmen bemessen KI bei der Betrugsprävention eine deutlich geringere Relevanz bei.

Die Ergebnisse des B2BEST Barometers machen deutlich: Risikomanagement ist im B2B-Sektor angekommen – aber noch nicht vollständig verankert. Die Unternehmen wissen um die Bedeutung, doch die Umsetzung bleibt oft hinter den Möglichkeiten zurück. Was es jetzt braucht, ist ein ganzheitlicher Ansatz: Risikomanagement muss strategisch gedacht, technologisch unterstützt und organisatorisch verankert werden. Die Identitätsprüfung ist dabei ein zentraler Hebel, um Betrugsrisiken zu minimieren und Vertrauen im digitalen Handel zu schaffen. Gleichzeitig müssen Unternehmen lernen, mit globalen Unsicherheiten flexibel umzugehen und ihre Prozesse kontinuierlich zu hinterfragen. Nur wer Risiken nicht als Bedrohung, sondern als Teil einer dynamischen Unternehmensrealität versteht, wird langfristig erfolgreich sein.

Joanna Czock ist seit Anfang 2021 Projektmanagerin am ECC KÖLN. Im Team Strategic Insights & Analytics ist sie schwerpunktmäßig für quantitative Studien verantwortlich und beschäftigt sich dabei mit Themen rund um die Handelswelt im digitalen Zeitalter. Ein besonderer Schwerpunkt ihrer Arbeit liegt dabei im B2B-Bereich. Während und nach ihrem Masterstudium in „Soziologie und empirische Sozialforschung“ an der Universität zu Köln hat sie zudem bereits mehrjährige Erfahrung in verschiedenen Marktforschungs- und Beratungsunternehmen gesammelt.









